Der neue Kindergarten Pestalozzi versteht sich als selbstverständlicher Bestandteil der bestehenden Weinfelder Schullandschaft. Seine gestaffelte Volumetrie nimmt die räumliche Struktur des historischen Ensembles auf und schafft einen adressbildenden Aussenraum zur Pestalozzistrasse. Die Architektur verbindet Einfachheit und Robustheit mit räumlicher und funktionaler Flexibilität. So entsteht ein Haus, das den heutigen Anforderungen entspricht und sich auch zukünftigen Nutzungen anpassen kann.
Eine klare und robuste Grundstruktur bildet die Grundlage für die langfristige Nutzbarkeit. Die aussen liegende Erschliessung macht die Geschosse unabhängig voneinander, schafft visuelle Bezüge zum Aussenraum und entflechtet die Flucht- und Brandschutzwege. Die vorgelagerten Garderoben sind nicht nur Erschliessungsflächen, sondern zusätzliche soziale Räume. Sie können flexibel möbliert und für Spiel, Aufenthalt und gemeinschaftliche Aktivitäten genutzt werden. Die gleichwertig organisierten Geschosse ermöglichen zudem spätere Anpassungen der Raumaufteilung und damit unterschiedliche schulische Nutzungen. Im Erdgeschoss befindet sich die erste Kindergartenabteilung mit einem zusätzlichen Raum für den Mittagstisch. Dieser verfügt über einen separaten Zugang und steht auch externen Kindern offen. Im 1. Obergeschoss befinden sich die zweite Kindergartenabteilung und das gemeinsame Teamzimmer. Das 2. Obergeschoss bietet derzeit Raum für zwei Klassenzimmer mit Gruppenzimmern und Sanitäranlagen. Das Gebäude ist zur Hälfte unterkellert.
Zeitgemässer Holzbau mit vielseitiger Nutzung

Der dreigeschossige Bildungsbau ist als Holzbau aus überwiegend Schweizer Holz konstruiert und kann bei Bedarf um ein zusätzliches Geschoss erweitert werden. Die leichte und präzise Holzbauweise verbindet Ressourcenschonung mit hoher Flexibilität und ermöglichte eine Erstellungszeit von weniger als einem Jahr. Ein ausladendes Vordach schützt die Holzfassade vor Witterung und bindet den Neubau selbstverständlich in die bestehende bauliche Umgebung ein. Die robuste Grundstruktur gewährleistet eine lange Nutzungsdauer und spätere Anpassbarkeit. Eine Wärmepumpe und eine Photovoltaikanlage ergänzen das nachhaltige Energiekonzept. Kontrollierte Lüftung, Precooling und ein abgestimmter Fensteranteil mit aussen liegendem Sonnenschutz sorgen auch im Sommer für Behaglichkeit. Die zentrale Lage ermöglicht kurze und sichere Wege und trägt durch die Zusammenarbeit mit ortsnahen Unternehmen während der Bauzeit mit kurzen Arbeits- und Lieferwegen zusätzlich zu einer verbesserten CO₂-Bilanz bei.
Die Materialität folgt der Idee eines einfachen, robusten und zugleich sinnlichen Hauses für die Kinder. Aussen prägen lasierte Holzoberflächen, textile Sonnenschutzelemente und farbige Holz-Metall-Fenster die Erscheinung. Ein Sockel mit Sitzstufen vermittelt zwischen Gebäude und Freiraum. Im Inneren schaffen lasierte Fichtenholzoberflächen eine ruhige und warme Grundstimmung. Naturbelassene und lasierte Hölzer bei Fenstern, Türen und Garderoben setzen natürliche Akzente. Sichtbare Fichtenholzträger und Akustikdecken aus Holzlamellen gliedern den Raum. Die Böden der Kindergartengeschosse sind mit weicherem Naturkautschuk belegt. Die Erschliessungsflächen sowie die Unterrichtsräume im 2. Obergeschoss erhalten robuste, farblos lasierte Anhydritböden. Die zurückhaltende Materialpalette ist auf Dauerhaftigkeit und Robustheit ausgelegt und bildet zugleich einen ruhigen Hintergrund für den Alltag und die Aneignung durch die Kinder.
Der bestehende Baumbestand mit der markanten Blutbuche wurde erhalten. Im Zusammenspiel mit dem neuen Kindergartengebäude und dem Spielplatz bildet sie weiterhin einen identitätsstiftenden Stadtbaustein entlang der Pestalozzistrasse. Der Kindergarten Pestalozzi steht nicht nur für nachhaltiges Bauen, sondern vor allem auch für eine nachhaltige Investition in die Menschen: Er schafft einen Ort, an dem Kinder sowohl gut lernen, spielen, sich entfalten als auch Gemeinschaft erleben können. Florian Schoch, Architekt